Neue Hüfte mit 80

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Hüft-Operationen von hochbetagten Patienten
 

Neue Hüfte mit 80: Minimalinvasive Eingriffe sind Chance für Hochbetagte

Mit 80 eine neue Hüfte:  Immer öfter setzen Orthopäden und Chirurgen auch bei hochbetagten Patienten das Messer an.

Durch den demographischen Wandel nimmt die Anzahl der chirurgischen Eingriffe an hochbetagten Menschen zu. Um die Risiken für diese Patientengruppe zu reduzieren, reagieren die Chirurgen, indem Sie zum Beispiel die Körperfitness oder die Medikation der Patienten stärker berücksichtigen beziehungsweise anpassen und möglichst mit schonenden minimalinvasiven Techniken operieren. Gerade Gelenk- und Wirbelsäulen-OPs werden so auch für Hochaltrige jenseits der 80 oftmals ein Erfolg,sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Prof. Matthias Anthuber, am Rande des 136. Chirurgenkongresses in München.

«Wir machen heute erfolgreiche Operationen bei Patienten im achten und neunten Lebensjahrzehnt», sagte Anthuber. «Gerade die Entwicklung von minimalinvasiven Methoden hat die Belastungen für ältere Patienten reduziert.» Es gebe weniger Wundinfektionen und Schmerzen. Auch bessere Narkosetechniken und Intensivtherapien machten Eingriffe bei älteren Menschen sicherer. Zudem würden sie gemeinsam mit Altersmedizinern gezielter auf die OP vorbereitet.

Rücken-Operationen und künstlicher Gelenkersatz stellten bei sorgfältiger Prüfung des Einzelfalles für hochbetagte Patienten oft kein unvertretbares Risiko mehr dar. «Wir können heute über 80-Jährigen guten Gewissens neue Hüft- oder Knieprothesen einsetzen, weil wir wissen, wie wir die mit einer Operation verbundenen Risiken für Herzinfarkt und Lungenentzündung wirkungsvoll senken», sagte Prof.Anthuber:  «Das kalendarische Alter ist für uns ein Anhaltspunkt, wie fit ein Mensch sein könnte. Es gibt aber 80-Jährige, die wirken wie 65. Warum sollte man diesen Menschen eine OP mit Aussicht auf bessere Lebensqualität vorenthalten?»

Nach dem Krankenhausreport der Barmer Ersatzkasse von 2017 stieg gemäß DGHC-Angaben die Zahl der Klinikpatienten über 70 Jahre von 2006 bis 2015 um 80 Prozent. Experten rechnen mit weiterem Zuwachs.

Risiken bei chirurgischen Operationen

 
„Heute entscheiden sich insbesondere auch über 80-jährige Patienten immer häufiger für den Einsatz eines neuen Hüft- oder Kniegelenks oder einen Eingriff am Rücken, um mobil zu bleiben“

Prof. Matthias Anthuber, Präsident der DGCH.

 

Doch eine Operation birgt besondere Risiken für hochbetagte Patienten. „Patienten, die über 80 Jahre alt sind und sich erstmals ein neues Hüft- oder Kniegelenk einsetzen lassen, haben eine dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt im Zusammenhang mit dem Eingriff zu erleiden“, erläutert Prof. Dieter Christian Wirtz, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). „Auch die Gefahr, eine Lungenentzündung zu entwickeln, ist um den Faktor 3,5 gesteigert.“

Wie können Komplikationen vermieden werden?

Ältere Patienten formulieren heute, meint der Bonner Chirurg, klare Ansprüche an ihre Lebensqualität. „Sie wollen Schmerzmittel nicht dauerhaft einnehmen, möchten ohne Stock Treppen steigen, nicht permanent ein Korsett gegen Rückenschmerzen tragen“, berichtet Wirtz. „Vor diesem Hintergrund entscheiden sie sich immer häufiger für eine gut geplante Gelenk- oder Rückenoperation.“

Dabei hilft es u.a. und insbesondere, hochbetagte Patienten schon vor dem Eingriff durch die Physiotherapie vorzubereiten. „Dafür eigen sich Übungen, die verdeutlichen, wie die Patienten nach der Operation am besten aus dem Bett steigen, welche Bewegungen förderlich sind, welche nicht“, erläutert Wirtz. „Studien zeigen, dass Patienten durch eine präoperative physiotherapeutische Schulung ihre Gehfähigkeit nach dem Eingriff schneller wiedererlangen.“

(aus: Orthopädische Nachrichten - nach dpa)